T I N N I T U S Z E N T R I E R T E  M U S I K T H E R A P I E  (T I M)

Die Tinnituszentrierte Musiktherapie (TIM) wurde als erster musiktherapeutischer Ansatz in Europa von 1997-2000 an der HNO-Klinik Dr. Gaertner entwickelt, in  die jährlich etwa 800 Tinnituspatienten kommen. In einer Dissertation (Cramer, Annette: Grundlagen und Möglichkeiten der Musik- und Klangtherapie als Behandlungsmaßnahme bei Tinnitus) wurden  sowohl die Methode vorgestellt als auch Evaluierungen veröffentlicht (Universität Köln, Prof. Dr. Piel, Prof. Dr. List, Prof. Dr. Coninx). Es hat sich herausgestellt, dass die TIM ein sehr erfolgreicher und vielversprechender Ansatz bei der Therapie des Tinnitus ist.

Die TIM ist anwendbar beim (nicht)tonalen, persistierenden (chronifizierten) Tinnitus sowie Hyperakusis/Phonophobie (Geräuschüberempfindlichkeit). TIM besteht aus 5 Bausteinen, welche in 6 Sitzungen (insg. 300,- EUR) bearbeitet werden:

1. Counselling/Hörberatung/Hörhygiene/Tinnitus-Analyse
Das Counselling bzw. die Hörberatung ist der theoretische Teil der TIM, der vorwiegend der Information dient, der aber auch pädagogische Aspekte enthält: Auch wenn der HNO-Arzt bereits alle Informationen zum Thema Tinnitus gegeben hat, so bleiben meist dennoch wichtige Themen ausgeklammert, wie zum Beispiel das weitere Vorgehen im Hörverhalten. Die Hörberatung wird zum Dreh- und Angelpunkt der Therapie. Sie soll Erkennungsprozesse fördern, so daß der Patient seinen Tinnitus einordnen kann und sie soll persönliches Hörverhalten und Hörbedürfnisse deutlich machen. Sie fördert die Sicherheit im Umgang mit Musik, kann Hörgewohnheiten verändern, klärt über
Lärm, Hörschwächen und damit eventuell zusammenhängende Sprachprobleme auf, gibt Hinweise und Tipps zur Bewältigung der akuten Situation des Betroffenen, auch bei Schlafstörungen, die durch den Tinnitus entstanden sind und dient der Informationen auf beiden Seiten - der des Therapeuten und der des Betroffenen.

2. Hörtherapie
Die Hörtherapie kann das konzentrierte Hören fördern und die subjektive auditive Wahrnehmung verbessern, wie die Audiogramme von subakuten und chronischen Tinnitus-Patienten gezeigt haben. Im Mittelpunkt stehen Übungen mit Geräuschen, mit Klängen und schließlich mit Musik, die zum selektiven individuellen Hören ermutigen, d.h. den Patienten auffordern, seine eigenen Geräusche, Klänge und Musiken zur Defokussierung zu finden: die auditive Wahrnehmung wird vom Tinnitus weggelenkt. Ein weiterer Vorteil der Hörtherapie ist, dass ein „fühlbarer“ Kontakt zum unerreichbaren und unfühlbaren Organ Innenohr aufgebaut werden kann. Die im Rahmen der Tinnnitus-Retraining-Therapie (TRT) angebotene “Hörtherapie” hat trotz ihres Namens nichts mit der TIM zu tun. Sie enthält zwar einige ihrer Elemente, wie zum Beispiel das bewusste Hinhören oder das genaue Orten von Klängen und Geräuschen, ist ansonsten aber eher als ganzheitlich sensorische Therapie zu bezeichnen, denn ihr erklärtes Hauptziel ist neben der auditiven Förderung die Schärfung aller Sinne.

3. Musiktherapeutische Tiefenentspannung
Die musiktherapeutische Tiefenentspannung ist ein musiktherapeutisches Entspannungsverfahren. Wenn ein entspannendes, angenehmes Musikstück oft genug gehört wird, kann sich der Patient seine eigene „Kopfmusik“ als Gegenprogramm zum Tinnitus schaffen und sich auf Entspannung konditionieren. So kann Stress abgebaut und die seelische und körperliche Eigenwahrnehmung verbessert werden.

4. Sensorisch-Integrative Musiktherapie
Mit der sensorisch-integrativen Musiktherapie bietet die Musiktherapie die Möglichkeit, Hören mit anderen
Sinnesempfindungen zu verbinden. Musik kann durch das Vibrationsorgan körperlich empfunden werden,
sie kann mit Bewegungen kombiniert, mit Malen verknüpft werden. Sie wird so - wiederum als rezeptive
Form - zu einem Medium, das seelische und körperliche Eigenwahrnehmung verbessert.

5. Individuelles Hörtraining auf CD
Das individuelle Hörtraining auf CDs (bestehend aus Elementen der Tiefenentspannung, der Hörtherapie und der sensorisch-integrativen Musiktherapie) wird nach den Bedürfnissen des Klienten zusammengestellt. Basis bildet die Tinnitusanalyse bzw. das Tinnitusproifil, das im ersten Gespräch mit einer Software erstellt wird. So bekommt der Patient sein ganz persönliches Mittel an die Hand, mit dem er zu Hause üben kann, und das er überall mit hinnehmen kann.

ZIELE DER TIM:

♫ Stressreduktion

♫ Habituationstechniken vermitteln und Akzeptanz verändern

♫ Stimulieren

Die zentrale auditive Wahrnehmung verbessern

♫ Hören (wieder) mit angenehmen Emotionen verbinden

♫ Einen "fühlbaren" Kontakt zum Ohr aufzubauen

♫ Die seelische und körperliche Eigenwahrnehmung verbessern

♫ Anregungen und Übungen für zu Hause anbieten

WICHTIG:
Für die Aufnahme einer Tinnitusbehandlung ist ein aktuelles Höraudiogramm (HNO Arzt oder Hörgeräteakustiker) unbedingt erforderlich. Außerdem sollte bereits eine Abklärung des Tinnitus durch einen HNO Arzt erfolgt sein. Akuter Tinnitus (nicht länger als 3 Monate) mit der Erwartung diesen "wegzutherapieren" ist keine Indikation für die TIM.
Die Kosten der TIM werden nicht von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen übernommen und müssen daher selbst übernommen werden.